Zum Tode von Walter „Sammy“ Dörsam, der guten Seele im Frankfurter Amateurfußball

06. Dezember 2019 · Kreis Frankfurt · von: Rainer Nagel, Thomas Kilchenstein

Liebe Sportfreunde,

eine gute Seele des Frankfurter Amateurfußball ist am vergangenen Montag leider verstorben.

 

Untenstehend eine Würdigung seiner Verdienste um den Frankfurter Amateurfußball.

 

Mit einer Veröffentlichung in der Frankfurter Rundschau am 05.12.2019

 

Mit sportlichen Grüßen

Rainer Nagel ( KFW Ffm)

 

Mister Blau-Gelb

Zum Tode von Walter „Sammy“  Dörsam, der guten Seele im Frankfurter Amateurfußball

Von Thomas Kilchenstein

Am vergangenen Sonntag war Walter Dörsam wie immer in seinem zweiten Wohnzimmer unterwegs, auf einem der vielen Sportplätze in Frankfurt, dort, wo sein Verein spielte, der SV Blau-Gelb Ginnheim, er war ja immer dabei, einerlei ob Erste Mannschaft, Zweite oder einer der vielen Jugendmannschaften irgendwo kickte. Er hat dort sein Bierchen gekippt, hat ein paar Sprüche gemacht, hat sich das Spiel oder mehrere angeguckt und ist nach Hause gefahren. Oft mit dem Fahrrad. 

Das war sein Leben. Einen Tag später, am Montag,  ist er friedlich in seinem Fernsehsessel eingeschlafen, Herzversagen. Sein Sohn Klaus hat ihn am Dienstagmorgen gefunden, der Fernseher lief noch.

Walter Dörsam, der große, alte Mann des früheren Postsportvereins Blau-Gelb in Ginnheim, kannte sie alle, und jeder kannte ihn, den sie nur „Sammy“ riefen, Jung oder Alt, begnadeter Schnicker, Freibadmaradona oder Schlappekicker, den Sammy kannten sie alle, alle mochten ihn, den bescheidenen, zurückhaltenden, aufrichtigen Mann mit dem verschmitzten Lächeln im Gesicht. Sammy Dörsam war ein bunter Hund auf den Frankfurter Amateurplätzen, ein herzensguter Mensch, eher still denn aufbrausend. Und nie war ihm ein Weg zu weit, eine Aufgabe zu schwer. Am Montag, am Tag seines Todes, hat er noch gearbeitet, bei Blau-Gelb kümmerte er sich als Platzwart um die Anlage, von halb neun bis nachmittags war er unterwegs, auf dem Rasenmäher oder zu Fuß, Heckenschneiden, nach dem Rechten sehen. Und dann betreute er noch eine von den vielen Bambini-Mannschaften, schnürte den Kleinen die Schuhe, putzte Nasen, beruhigte Mütter, verteilte Leibchen, versprühte gute Laune.

Der Mann, im April war er 80 geworden, war mehr als die Seele des Vereins. Er war auch das Herz von Blau-Gelb, war immer Mensch geblieben. Seine Lücke wird so schnell nicht zu stopfen sein, er wir fehlen als Freund, als Kumpel, als verlässlicher Mitstreiter, er wird den Eltern der kleinen Fußballer fehlen, den Betreuern, den Aktiven, und seinen Alten Herren, für die er bis vor einigen Jahren noch gekickt hat. Und Ski ist er auch noch gefahren.

Mehr als 60 Jahre war er Mitglied im Klub,  davon 55 Jahre als Jugendtrainer. Als er mit 14 Jahren einen Ausbildungsvertrag zum Fernmelder bei der Deutschen Post unterschrieb, wurde ihm gleich der Mitgliedsantrag für den PSV Blau-Gelb vorgelegt. Er unterschrieb und hat das nie bereut. Für Blau-Gelb war der begeisterte Jogger ein Glücksfall, das Mädchen für alles und jeden. Er war im Frankfurter Amateurfußball eine Institution, ja eine Legende, geachtet, respektiert, beliebt, er war eine Autorität ohne je autoritär zu sein, eher das Gegenteil. Vermutlich war der Sammy viel zu lieb, aber die Liebe, die er gab, hat er vielfach zurückbekommen. Die Lücke, die mit seinem Tod gerissen wurde, wird schwer zu stopfen sein, wenn überhaupt. Der Frankfurter Amateurfußballer ist um eine Persönlichkeit ärmer geworden. Für sein ehrenamtliches Engagement ist er von der Stadt Frankfurt mit der Bürgermedaille ausgezeichnet worden. Es hat den Sammy mehr verlegen gemacht.

Wie viele kleine und große Kicker bei ihm im Training waren, ist nicht mehr zu zählen, mehrere Tausende werden es gewesen sein. Emre Can, der deutsche Nationalspieler von Juventus Turin, war einer von ihnen, er spielte von 2000 bis 2006 bei Blau-Gelb, aber nie unter dem Sammy. „Dann wäre er wahrscheinlich noch besser“, sagte er einst. Und lachte sein verschmitztes Lachen.

Seine ehemaligen Mitspieler von den Alten Herren wollen jetzt den Antrag stellen, dass die Blau-Gelb-Anlage am Ginnheimer Wäldchen künftig seinen Namen tragen soll. Verdient hätte er es, der Mister Blau-Gelb.

Mit sportlichen Grüßen

Thomas Kilchenstein

Redaktion

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