Die Jugendleiterpflichtsitzung im Fußballkreis Limburg-Weilburg hat sich in seiner jüngsten Versammlung mit einer Thematik beschäftigt, die bundesweite Strahlkraft haben könnte. Als Marius Zanger, Mitglied im Kreisjugendausschuss, um Abstimmung bat, um ein erstes Meinungsbild zu bekommen, gingen die meisten Hände hoch. Auch wenn es einige Enthaltungen und zwei „Gegenstimmen“ gab, so scheint klar zu sein, dass die Jugendleiter in Limburg-Weilburg spätestens im März nächsten Jahres mit ihrem Votum eine Veränderung in der Jugendordnung auf den Weg bringen werden, die bundesweite Strahlkraft haben könnte.
Ideengeber Volker Graulich
In dem von Ideengeber Volker Graulich, seit 22 Jahren Jugendleiter beim VfR Niedertiefenbach, und von Marius Zanger vorgestellten „Modell Limburg-Weilburg“ geht es im Kern darum, die Jugend-Jahrgänge um einen Jahrgang nach oben zu schieben. Aktuell würde das in der laufenden Saison bedeuten, dass der älteste A-Jugend-Jahrgang (2007) bereits bei den Senioren spielen würde. Den entsprechenden Antrag von Graulich hatte der Kreisfußballtag im vergangenen Jahr verabschiedet. Über den Hessischen Fußball-Verband fand das Pilotprojekt den Weg zum Deutschen Fußball-Bund, der dem Kreis Limburg-Weilburg nun grünes Licht für eine Umsetzung zur Saison 2026/2027 gab.
Grund: A-Junioren-Teams leiden
Hintergrund des Antrags sei laut Graulich zum einen die Tatsache, dass einige A-Junioren-Teams darunter leiden würden, dass viele Vereine die 18-jährigen Spieler des älteren Jahrgangs in die Senioren hochziehen und die A-Jugend dadurch ausblutet. Rückzüge in der Rückrunde – in der vergangenen Spielzeit waren es in Limburg-Weilburg gleich fünf vorzeitige Abmeldungen – sind deshalb seit Jahren keine Seltenheit.
Zum anderen sind einige Nachwuchsspieler bereits 19 Jahre alt, wenn sie nach dem zweiten A-Jugendjahr endgültig zu den Senioren aufrücken. Und 18-Jährige wiederum, die dem jüngeren Jahrgang angehören, dürfen noch nicht bei den Erwachsenen kicken. „Wir schleppen das Thema A-Jugend schon seit vielen Jahren mit uns rum. Es gab immer wieder Vorschläge, doch der DFB hat nichts umgesetzt. Wenn wir nichts verändern und nichts probieren, können wir nichts gewinnen. Das Pilotprojekt, das auf zwei bis fünf Jahre angelegt ist, wird in irgendeiner Form kommen. Das steht für mich fest. Ich bin mir sicher, dass die Arbeitsgruppe bis zur endgültigen Entscheidung im nächsten Jahr ein blitzsauberes Konzept ausgearbeitet hat“, outete sich Kreisjugendwart Udo Schätzle als klarer Befürworter des „Modells Limburg-Weilburg“.
Entwickler Graulich „geht es darum, das seit der Stichtag-Umstellung vom 1. August auf den 1. Januar herrschende Spannungsverhältnis zwischen Senioren und A-Jugend zu lösen, den Seniorenbereich zu stärken und die Rückzüge bei den A-Junioren deutlich zu reduzieren“, erklärte der Niedertiefenbacher.
Bedenken der Vereine
In einer Arbeitsgruppe wird sich Graulich mit seinen Mistreitern in den nächsten Monaten auch mit Bedenken aus den Vereinen beschäftigen müssen. So sieht das Modell einen Schnitt bei der E-Jugend vor, so dass diese zur neuen Saison nur vom Jahrgang 2017 gebildet wird und die 2018er noch eine Runde in der Spielform „Funino“ bleiben, um nicht auf dem Siebener-Feld überfordert zu werden. Hier befürchten einige Jugendleiter bei den E-Junioren Personalprobleme. Geregelt werden muss auch die Einbeziehung der Gruppenligisten in den Kreispokal, da diese weiterhin – weil überkreislich – im bisherigen Jahrgangs-System spielen.
Auch gibt es Überlegungen, dem gemäß des Pilotprojekts zur neuen Runde in die Senioren geschobenen Jahrgang 2008 weiterhin eine Spielmöglichkeit in der A-Jugend zu geben, wenn diese im Seniorenbereich keine Einsatzchancen haben. „Unser Ziel ist es vor allem, dass so viele Jungen und Mädchen wie möglich Fußball spielen“, warb Marius Zanger nicht nur für das „Modell Limburg-Weilburg“, sondern auch für alternative Spielformen wie ein 9:9 bei den C-Junioren und ein 7:7 bei den D-Junioren. Varianten, die bei den Jugendleitern auf ebenso so viel Zustimmung trafen, wie das Pilotprojekt. Text & Foto: André Bethke
„Modell Limburg-Weilburg“: Die Lösung für sinkende A-Juniorenzahlen?
04. Januar 2026
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