Danke ans Ehrenamt

21. Mai 2019 · Top-News · von: DFB

Ohne Ehrenamt geht nichts. Ohne Jugendtrainer, Kassiererin, Pressewart und Vorsitzenden würde dem Fußball in Deutschland bald die Luft ausgehen. Denn das ehrenamtliche Engagement bildet die Basis unseres Amateurfußballs.

Der Einsatz jedes Einzelnen? Unbezahlbar! Tradition und Moderne: Beides kennzeichnet das heutige Ehrenamt, das sich mitten im Wandel befindet. Ehrenamt früher – das war eine dauerhafte emotionale Bindung, selbstlos und zumeist nach dem Prinzip „learning by doing“. Heute und morgen dagegen geht es oft um ein zeitlich befristetes, pragmatisch ausgewähltes Engagement. Wobei die Erwartungen an die Kompetenzen der Ehrenamtlichen stetig steigen.

 

Als der DFB die ersten systematischen Maßnahmen zur Förderung von ehrenamtlich und freiwillig Engagierten initiierte, war Helmut Kohl noch Bundeskanzler. Ins Internet ging man mit einem 26k-Modem, Handys hatten weder Touch- noch Farbdisplays. Borussia Dortmund war Champions League-Sieger, Schalke 04 UEFA-Cup-Titelträger und der 1. FC Kaiserslautern schickte sich an, als Aufsteiger Deutscher Meister zu werden. Im Team der Nationalmannschaft standen Oliver Bierhoff, Ulf Kirsten und Mario Basler. Maximilian Eggestein war gerade geboren.

 

1997 starteten der DFB und seine Landesverbände die „Aktion Ehrenamt“. Viel Zeit ist seitdem vergangen, vieles hat sich verändert. Die Kanzlerin heißt jetzt Merkel, wir surfen mit Smartphones mit LTE-Geschwindigkeit, Meister wird eigentlich immer Bayern München. Auch das Ehrenamt hat sich gewandelt. Ehrenamtliche sind oftmals nicht mehr ein Leben lang selbstlos und treu für ihren Verein tätig, sondern kurzfristig, zweckgebunden, aufgabenorientiert. Gründe hierfür liegen in der gesellschaftlichen Veränderung. Schüler gehen in Ganztagsschulen, Jobs dauern bis in die Abendstunden, für die berufliche Karriere brauchen wir Praktika, Auslandserfahrung und regionale Ungebundenheit. Eine langfristige Bindung an den Verein passt da nicht rein.

 

Die Aktion Ehrenamt hat sich daran angepasst und immer wieder auf sich ändernde Voraussetzungen reagiert. Denn der Mensch steht im Mittelpunkt. Vor mehr als 20 Jahren wurde sie ins Leben gerufen, um alle Aktivitäten zur Förderung von freiwilligem und ehrenamtlichem Engagement zusammenzufassen. Keine andere Aktion des DFB besteht schon so lange ohne Unterbrechung. Weil ihre Aufgaben auch nicht so schnell erledigt sein werden. Es geht um die Bedürfnisse der rund 1,7 Millionen ehrenamtlich und freiwillig für den Fußball engagierten Menschen. Und diese Bedürfnisse haben sich seit 1997 drastisch verändert. Die Unterstützung ehrenamtlicher Tätigkeit ist durch die sich immer schneller verändernden Rahmenbedingungen, gesellschaftliche Entwicklungen und auch die Digitalisierung anspruchsvoller geworden.  Um Menschen für ein Engagement zu gewinnen, müssen spezifische Motivationen zeitgenau angesprochen werden. Anschließend erwartet der Ehrenamtler von heute oftmals dauerhafte Begleitung und Unterstützung, etwa durch Qualifizierungsangebote, um infolgedessen die eigenen Kompetenzen zu stärken. Werden individuelle Motive und Erwartungen erfüllt, ist die Basis für eine langfristige Vereinsbindung gelegt. Nie vernachlässigt werden darf zudem der Moment der Verabschiedung von Mitarbeitern. Denn die Verabschiedung ist ein Zeichen des Danks und schafft eine dauernde emotionale Verbundenheit.

 

Der DFB möchte die entscheidenden Leute in den Vereinen stärken - Vorsitzende, Fußball-Abteilungsleiter/innen, Jugendleiter/innen, Schatzmeister/innen, Trainer/innen. Ihre Funktionen im Verein sind der Schlüssel, denn sie sorgen für Weiterentwicklung. Die Qualität ihrer Arbeit soll verbessert und das Image des Ehrenamts gefördert werden.

 

Peter Frymuth wurde 1997 gerade Vizepräsident bei Fortuna Düsseldorf. Mittlerweile ist er eines von acht Ehrenmitgliedern der Fortuna, war zehn Jahre Vorstandsvorsitzender und ist seit 2013 Präsident des Fußballverbandes Niederrhein (FVN). Als DFB-Vizepräsident für Spielbetrieb und Fußballentwicklung ist er auch zuständig für die Aktion Ehrenamt. „Die Unterstützung ehrenamtlicher Mitarbeiter ist heutzutage vielmehr ‚Mitarbeiterentwicklung‘ und damit aktive Unterstützung unserer Fußballvereine und –verbände“, sagt der 62-Jährige. „‚Gewinnen – Qualifizieren – Binden – Verabschieden‘: Diese Viererkette der Mitarbeiterentwicklung ist das Herzstück der Aktion Ehrenamt!“

 

Wie kann man mit passenden Angeboten und Möglichkeiten zur Kompetenzentwicklung besonders junge Menschen für ein Ehrenamt gewinnen? Wie kann man mehr Mädchen, Frauen und Menschen mit Migrationshintergrund ins Ehrenamt bringen? Die Gewinnung neuer Ehrenamtlicher ist eine der größten Herausforderungen des Amateurfußballs. Eine Maßnahme sind unter anderem Fort- und Weiterbildungsangebote wie Kurzschulungen und Online-Seminare. Aber auch Auszeichnungen im Rahmen der DFB-Anerkennungskultur sind wichtig.
Hierbei wird seit über 20 Jahren jährlich in jedem der 266 Fußballkreise Deutschlands ein/e Ehrenamtliche/r mit dem DFB-Ehrenamtspreis ausgezeichnet. 100 Preisträger davon werden als zusätzliche Anerkennung für ihr herausragendes Engagement in den Club 100 aufgenommen und im Rahmen einer Ehrungsveranstaltung rund um ein Länderspiel für ihr herausragendes Engagement geehrt. Seit 2016 werden zusätzlich in jedem Fußballkreis junge „Fußballhelden“ ausgezeichnet. Ausgewählte Kinder- und Jugendtrainer unter 30 Jahren belohnen der DFB und seine Landesverbände - in Zusammenarbeit mit dem Kooperationspartner KOMM MIT - mit einer fünftägigen Fußball-Bildungsreise nach Spanien. Dies zeigt, dass sich der Fokus auch verstärkt auf die Förderung junger engagierter Vereinsmitarbeiter richtet.

 

Chelsea Lienen Castillo war 1997 noch gar nicht geboren. Sie ist der Prototyp einer Fußballheldin. Mit 16 Jahren trainiert sie schon die D-Mädchen des 1. FC Passau, leitet eine Schul-AG und organisiert Verbandsveranstaltungen. Ehrenamt ist für sie nichts Romantisches, Ehrenamt macht Spaß. Sie wie Manuel Beck, dem blinden Pressesprecher des Bayernligisten VfL Frohnlach. Oder Marlene Leipertz, die als Jugendleiterin beim BSV Menden den Bau von Kunstrasenplatz und Vereinsheim vorangetrieben hat.

 

Klar haben all diese Menschen eine emotionale Bindung zu ihrem Verein. Doch ihre Motive sind andere: Gesellschaftliche Mitgestaltung, persönliche Entwicklung, berufliche Karriere. Das Ehrenamt ist nicht mehr nur Hobby, sondern Teil des Lebenslaufs.

 

Stefan Bell war 1997 noch nicht einmal Mitglied in einem Fußballverein. Erst kurz darauf begann er bei der JSG Rieden/Wehr/Volkesfeld mit dem Kicken, wechselte 2007 in die Jugend des 1. FSV Mainz 05. Mittlerweile ist der Innenverteidiger Stammspieler und Kapitän beim Bundesligisten, 1. Vorsitzender seines Heimatvereins FV Vilja Wehr und eines der Gesichter der Aktion Ehrenamt. Er weiß, welche Herausforderungen ein ehrenamtliches Engagement neben dem Hauptberuf mit sich bringt. „Ich hätte anfangs nicht erwartet, dass es so viel Arbeit macht, einen kleinen Verein wie den FV Wehr zu führen“, sagt der 27-Jährige. 

 

Um die 1,7 Millionen Menschen ehrenamtlich und freiwillig im Fußball Engagierten zu erreichen, wurden im Rahmen der Aktion Ehrenamt Strukturen geschaffen. Im DFB steuert die Kommission Ehrenamt sämtliche Angebote, Maßnahmen und Projekte, die in der DFB-Abteilung Qualifizierung entwickelt und über 21 Landes- und 266 Kreisehrenamtsbeauftragte zu den Vereinen weitergegeben werden. 

 

Michael Grell war 1997 noch Jugendtrainer in Bremerhaven. 2004 erhielt er im Rahmen der Aktion Ehrenamt die Auszeichnung zur Aufnahme in den DFB-Club 100. Damals noch als Ehrenamtlicher beim SC Lehe-Spaden, wo er als Trainer Kinderfeste, Zeltlager und Fußball-Olympiaden organisierte und junge Spieler bei der Lehrstellensuche unterstützte. Mittlerweile ist er Vizepräsident des Bremer Fußball-Verbandes (BFV), Vorsitzender des Ehrenamtsausschusses, Landesehrenamtsbeauftragter und Mitglied der DFB-Kommission Ehrenamt. „Jedem muss klar sein, dass ein Sportverein ohne das Ehrenamt nicht funktioniert“, sagt der 64-Jährige. Der BFV setzt wie kaum ein anderer Verband auf das Ehrenamt, legt die Schwerpunkte auf verbesserte Rahmenbedingungen, Qualifizierungsangebote und die Würdigung des Engagements.

 

Bis heute wurden deutschlandweit etwa 6.000 ehrenamtliche Vereinsmitarbeiter/innen mit dem DFB-Ehrenamtspreis ausgezeichnet und davon 2.200 in den „Club 100“ aufgenommen. Zudem wurden mehr als 60.000 Ehrenamtsurkunden und DFB-Ehrenamts-Uhren verteilt. Die Zahlen werden weiter steigen, denn das Ehrenamt stirbt nicht aus und die DFB-Aktion Ehrenamt somit auch nicht. Auch in den nächsten 20 Jahren werden Vereine noch darauf angewiesen sein, dass sich Menschen für sie ehrenamtlich engagieren. Der DFB und seine Landesverbände werden sich um sie kümmern. Egal, wer dann Kanzler oder Deutscher Meister ist.