Besorgniserregend! Wenig Interesse an Veranstaltung "Schiedsrichterbetreuer"

02. September 2019 · Allgemein · von: Emil Hahner

Veranstaltungsprotokoll vom 24.08.2019 in Rothemann

Der Schiedsrichterbeauftragte greift ein !

Info-Veranstaltung in Rothemann
(24.08.2019, 09:30 – 11:00 Uhr)

Enttäuscht zeigte sich Kreisschiedsrichterobmann Hans Dieter Köhler bei der Begrüßung im Sportlerheim in Rothemann.
Ganze 30 vereinstreue Vertreter aus dem gesamten Fußballkreis waren seiner Einladung gefolgt, 60 Vereine hingegen hatten es nicht geschafft – oder nicht für erforderlich gehalten – einen Sportkameraden/Sportkameradin zu dieser wichtigen Veranstaltung zu entsenden.
Kreisfußballwart Thorsten Beck, für den die Info-Veranstaltung gleichermaßen einen hohen Stellenwert hatte, hob die Bedeutung des Schiedsrichteramtses hervor – und nicht nur die Schiedsrichterkameraden seinen ein wichtiger Faktor eines jeden Fußballspiels. Auch das Umfeld im Verein und am Sportplatz müsse einen wichtigen Beitrag leisten. Gerade einige Vorfälle in den letzten Wochen haben das deutlich werden lassen. Umso wichtiger sei die Funktion eines Schiedsrichterbeauftragten. Beck kündigte an, dass er dieses Thema bei der nächsten Vorständesitzung am 01. Oktober auch auf die Agenda setzen werde.

Zum Thema selbst referierte der Öffentlichkeitsmitarbeiter der Kreisschiedsrichtervereigung Fulda, Thomas Martin. Mit klaren Worten umriss er die Aufgaben eines Schiedsrichterbeauftragten, wobei er zunächst auf die formale Regelung der Spielordnung des HFV hinwies.

Zum Verständnis:
Die Einladung zu dieser Zusammenkunft der Vereins-Schiedsrichterbeauftragten war längst überfällig und wurde vom HFV angestoßen. Die Funktion des Schiedsrichterbeauftragten gibt es bereits seit 1998 und ist in der Spielordnung des HFV verankert:

§ 24 b der Spielordnung - Schiedsrichterbeauftragter
Jeder Verein benennt zu Beginn des Spieljahres einen Schiedsrichterbeauftragten, der die vom Verein gemeldeten Schiedsrichter und die für Heimspiele des Vereins eingeteilten Schiedsrichter und neutralen Schiedsrichter-Assistenten zu betreuen hat.
Verstöße werden nach § 18 Strafordnung bestraft.

 

In seiner Präsentation ging Thomas Martin auf folgende Punkte ein:

1. Aufgaben des Schiedsrichterbeauftragten

Meine vereinseigenen Schiedsrichter:
o der Schiedsrichterbeauftragte sollte seine vereinseigenen Schiedsrichter kennen (wichtig gerade bei Spielgemeinschaften),
o er sollte zumindest einen Überblick haben über die Anzahl der gepfiffenen Spiele und der besuchten Pflichtveranstaltungen (pfeift er/sie überhaupt noch, besuchen sie ihre 5 Pflichtversammlungen ?)
o der Schiedsrichterbeauftragte ist auch ´Verbindungsmann´ zum Vereinsvorstand; er kann/soll sich da auch ggfs. um ideelle und materielle Unterstützung kümmern,

Zusammenarbeit/Kontakte mit den Fußballgremien:
o es ist vor Vorteil, wenn der Schiedsrichterbeauftragte den/die Klassenleiter kennt und ggfs. zu dem Spieleansetzer und Kreisschiedsrichterausschuß einen Draht hat.

Begleitung / Betreuung fremder Schiedsrichter zum Heimspiel:
o neben dem persönlichen Kontakt und der Hilfestellung für den angereisten Schiedsrichter vor, während und nach dem Spiel soll er sich um die grundsätzlichen Belange im Clubhaus kümmern – selbstverständlich – Kabine / PC-Zugang / Getränke. Nicht zuletzt ist es auch seine Aufgabe, das subjektive Sicherheitsgefühl / Wohlbefinden zu stützen – ggfs. auf Krakeeler und Beleidiger im Umfeld einzuwirken.

 

Anmerkung des Protokollverfassers:
Soweit ein Schiedsrichterbeauftragter selbst als aktiver Schiedsrichter tätig ist, wird es häufig erhebliche Überschneidungen der Aufgaben geben – eine eher unpassende Lösung.
Allerdings spricht nichts dagegen, dass Aufgaben delegiert oder arbeitsteilig zugewiesen werden. Das sollte in der Regel auch so funktionieren.
Dem Schiedsrichterbeauftragten (resp. der Vereinsführung) obliegt die Verantwortung, hier eine vernünftige, verträgliche Regelung zu schaffen.


2. Schiedsrichersoll

Thomas Martin nahm abschließend kurz Stellung zur der Gesamtproblematik „Schiedsrichtersoll“. Hierbei hob er weniger auf die erforderliche Anzahl der zu stellenden Kameraden/Kameradinnen ab, als mehr auf die Sensibilisierung für das Schiedsrichteramt, sprich die Werbung im Verein für Nachwuchs. „Kein Spiel ohne Schiri“, so Martin; da spielt die Athmosphäre und das Verständnis schon von vorherein eine große Rolle. Wie gehen wir im Umfeld unseres Vereins mit dem Schiedsrichter um. „Keiner ist Einzelkämpfer, im Team geht’s besser“, so Martin weiter. Auch der Schiri ist Vereinskamerad und sollte integriert sein.
Mit diesem Verständnis, dem nötigen Vertrauen und der Fürsorge lassen sich sicher junge Leute für das Schiedsrichteramt gewinnen. Auch hier ist der Schiedsrichterbeauftragte als Initiator und Diplomat gefordert.

 

3. Verschiedenes

In der abschließenden Diskussion wurde nochmals herausgestellt, dass das gesamte Geschehen am Sportplatz einer immer mehr zunehmenden Öffentlichkeit präsentiert wird. Der Zuschauer ist längst nicht mehr der einzige, der das Geschehen als Zeuge wahrnimmt. Die umfangreiche und gut aufgestellte Medienlandschaft berichtet nahezu lückenlos, und letztendlich transportieren Einzelpersonen über soziale Netzwerke jegliche Vorkommnisse – per Handy / Liveticker – in die Öffentlichkeit.
Vor diesem Hintergrund gewinnt das gesamte Geschehen auf unseren Fußballplätzen immer mehr Interesse. Oft steht nicht das Spiel selbst im Mittelpunkt sondern eher Begleiterscheinungen.

Letztendlich wurde von einigen Tagungsteilnehmern und Schiedsrichtern beklagt, dass gekennzeichnete Platzordner auf den Fußballplätzen kaum noch zu sehen sind.
KFW Beck erläuterte hierzu, dass der Verein als Veranstalter gefordert ist, für die Sicherheit ausreichend zu sorgen. Diese Pflicht ergibt sich aus dem BGB. Im Einzelfall ist eine Gefährdungsprognose zu erstellen, grundsätzlich ist von einem Ordnungsdienst ab 3 Ordnern auszugehen. Bei einem zu erwartenden erhöhten Zuschaueraufkommen ist die Ordneranzahl vorsorglich anzugleichen und aufzustocken.
Die Ordner sind zu kennzeichnen; Nichtbeachten kann zu Bestrafungen des Vereins führen.
Hierzu siehe Handout – Sicherheit und Ordnung im Fußballsport – DFB, Landesverband Mecklenburg-Vorpommern.

Gef. / e. ha.