Kreis-Schiedsrichtervereinigung Bergstraße - über 90 Jahre im Dienste des Fußballs


Der erste Weltkrieg war gerade 4 Jahre vorüber, als sich auch an der Bergstrasse im Jahr 1922 engagierte Fußballer trafen, um ihrem Sport durch Bildung eines organisierten Schiedsrichterwesens einen regelgerechten Ablauf zu schaffen.Man lag damit durchaus "im Trend", wie die Vielzahl der Jubiläen anderer Schiedsrichtervereinigungen in Hessen zeigt.
Bereits Ende des vorletzten Jahrhunderts hatte der Fußball - von England her kommend - in Deutschland Einzug erhalten. Und bekanntermaßen setzt sich der "International Board", die oberste Regelinstanz der FIFA, noch heute mehrheitlich aus Mitgliedern der britischen Fußballverbände zusammen.

Die ersten Vereine waren gegründet worden. Nach einigen Jahren mehr oder weniger geregelten Spielbetriebes merkte man, dass es sinnvoll wäre, die Spiele von neutralen Sportkameraden, die die offiziellen Regeln beherrschen, leiten zu lassen.

Einen "Landkreis Bergstrasse" in politischer und sportlicher Form wie heute, kannte man zu dieser Zeit noch nicht. Es gab die Kreise Heppenheim und Bensheim. Einige Orte aus dem westlichen Ried zählten zum Kreis Worms, wohin es die Vereine aus dieser Region auch mehr zog.

Die Vereine der eigentlichen Bergstrasse und aus dem Odenwald hingegen tendierten mehr nach Darmstadt bzw. Mannheim.

Die SR von der Bergstrasse und aus dem Odenwald schlossen sich also im besagten Jahr 1922 zu einer Vereinigung Bergstrasse zusammen. Die Kameraden des Rieds hatten sich bereits im Jahre 1919 der Wormser Vereinigung angeschlossen. Ein Spielaustausch mit dem Kreis Worms wurde übrigens noch bis Ende der 80er Jahre durchgeführt.

Da die Verkehrsbedingungen zu dieser Zeit noch sehr schlecht waren, wurden Untergruppen Bensheim, Odenwald und Ried gegründet, um an zentralen Orten Regelabende durchzuführen, die es auch damals schon gab.

Nach 1933 wurde der politische Kreis Bergstrasse zwangsweise geboren und somit auch die bestehende Form der Kreis-Schiedsrichtervereinigung Bergstrasse.

Nach dem zweiten Weltkrieg waren die SR des westlichen Rieds wieder nach Worms orientiert, während das übrige Kreisgebiet bei der Kreis-Schiedsrichtervereinigung Bergstraße verblieb.

Schon kurz nach 1945 hatten sich einige "Unentwegte" zusammengefunden, um dem Fußballsport wieder eine regelgerechte Ausführung zu ermöglichen. Die Neukonstituierung der Kreis-Schiedsrichtervereinigung Bergstraße fand dann im Jahr 1948 in Bensheim statt. Vorsitzender wurde der Kamerad Josef Döhringer aus Heppenheim, der bereits während des Krieges Obmann war (die Namen der Verantwortlichen aus der Vorkriegszeit sind leider nicht bekannt).

Bis 1951 führten dann die Kameraden Josef Hamm aus Bürstadt und Georg Freitag aus Bensheim die Vereinigung, ehe im Jahr 1951 ein Mann die Bühne als Obmann betrat, der die Bergsträßer SR über 30 Jahre leiten und prägen sollte:
Walther Wenzel von der SV ET Zwingenberg. Weit über die Kreisgrenzen hinaus war er gleichzeitig Beobachter bis zur BL und einer der kompetentesten Referenten in der Grünberger Sportschule des Hessischen Fußball-Verbandes, durch dessen Hände auch einige der Top - SR des HFV, wie die früheren Bundesliga - Referees Rainer Boos (Friedrichdorf) und Norbert Brückner (Darmstadt), gingen.
Unter seiner Führung und der tatkräftigen Unterstützung seines Stellvertreters Ludwig Mütz (ebenfalls SV Zwingenberg) wurde die Vereinigung in ganz Hessen als eine Säule der Solidarität im Süden des Landes bekannt.

Mindestens einmal jährlich wurden Neulingslehrgänge durchgeführt - damals noch an 10-12 Lehrgangstagen. Die monatlichen Pflichtsitzungen fanden in Bensheim im Bierkeller, in der "Stadt Bensheim", im "Bürgerlichen Brauhaus" und im Cafè Ritter statt. Im Jahr 1986 folgte der Wechsel in das Gasthaus "Zur Post" nach Kirschhausen, wo man für über 20 Jahre sein Domizil fand. Anschließend war der SV Kirschhausen mit seinem Vereinsheim am Sportplatz ein ausgezeichneter und stets hilfsbereiter Gastgeber. Jahrelang danach fanden die monatlichen Pflichtsitzungen beim 1. Spielmanns- und Fanfarenzug Bensheim statt, ehe im März 2017 der Wechsel ins Kolpingshaus Bensheim erfolgte.

Im Jahr 1970 wurde ein Mann Lehrwart des Kreises Bergstraße, der die Geschicke der SR bis in die beginnenden 90er Jahre maßgebend mitbestimmen sollte. Fritz Eichhorn (SV Zwingenberg) übernahm dieses nicht immer leichte Amt und blieb bis heute einziger SR aus unserem Kreis, der Spiele bis zur 2. Bundesliga leiten durfte und als SRA in der Bundesliga gesetzt war. 1984 wurde Fritz Eichhorn als Nachfolger des schwer erkrankten Walther Wenzel SR-Obmann, Peter Cursaru (TSV Auerbach) sein Stellvertreter und Günter Volk (TSV Reichenbach) Lehrwart, dem nach 3 Jahren Horst Speckhardt (Olympia Lampertheim) folgte.
Bis 1990 blieb Fritz Eichhorn KSO, ehe er auf dem Bezirksfußballtag zum stv. BSO gewählt wurde. Dieses Amt konnte er durch seinen allzu frühen Tod nur bis März 1991 ausüben. Sein Nachfolger wurde Karl-Heinz Vetter (SG Seidenbuch).

Die Geschicke im Kreis leitete seit 1990 Alfons Diry (VFR Fehlheim), der schon 3 Jahre zuvor zum stv. KSO gewählt worden war. Als Diry´s Stellvertreter wurde Wolfgang Helfrich (TSV Elmshausen) gewählt, der bereits seit 1982 Mitglied im Kreisschiedsrichterausschuss ist. Nach dem Rücktritt von KLW Horst Speckhardt Ende 1994 übernahm Wolfgang Helfrich das Amt des KLW, Reiner Held (Al. Groß-Rohrheim) wurde stv. KSO und Spieleinteiler der Jugend.

Nachdem die Führung der Bergsträßer SR in dieser Konstellation - ergänzt durch die Beisitzer Norbert Seib (SKV Hähnlein), Andreas Weichert (FC 07 Bensheim) und Reiner Schwaier (SG Riedrode) - beim Kreisfußballtag 1996 in Aschbach bestätigt wurde, gab es nach dem lange geplanten Rückzug von KSO Diry am 1. Juli 1997 einen Wechsel:
Neuer KSO und Spieleinteiler der Senioren und Frauen wurde Reiner Held, der dieses Amt volle elf Jahre bekleiden sollte. In dieser Ära unterstützten ihn als stv. KSO Andreas Weichert (1997 – 2000), Thomas Kollerer (2000 – 2004) und Karlheinz Dörsam (2004 – 2008). Das Lehrwesen unterstand Wolfgang Helfrich (1997 – 1998), Karlheinz Dörsam (1998 – 1999), Kai – Uwe Ritter (1999 – 2000) und schließlich Andreas Weichert (2000 - 2015).

Als sportlich erfolgreichste SR brachte der Kreis neben Fritz Eichhorn (2. Bundesliga), bis dato folgende SR hervor.

Oberliga: Alfons Diry, Horst Speckhardt, Wolfgang Helfrich, Hans Egly, Jürgen Rhein und Andreas Weichert

Landesliga: Günter Volk, Kurt Zink, Jean-Pierre Dupin, Alfred Horner und Jürgen Jäger

Im Jahre 2008 fand dann ein geplanter Wechsel statt. Nach elf Jahren stand Reiner Held nicht mehr als KSO zur Verfügung. Sein bisheriger Stellvertreter Karlheinz Dörsam trat die Nachfolge an. Neuer zweiter Mann an der Kreisspitze wurde Thomas Hirschberg. Andreas Weichert blieb KLW. Marco Unholzer trat als Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit die Nachfolge von Markus Petermann an. Jan Turinski wurde als Beisitzer für das Lehrwesen in den KSA berufen. Norbert Seib fungiert weiterhin als Beisitzer.

Die Liste der Spitzenschiedsrichter sollte sich ab dem Jahr 2008 deutlich vergrößern. Seit dem Jahr 2000 war Andreas Weichert der einzige Schiedsrichter auf der Verbandsliste, zudem Assistent in der Regionalliga. 2007 leistete ihm Patrick Beck (ET. Wald-Michelbach) Gesellschaft. Er schaffte den Sprung von der Bezirksoberliga in die damalige Landesliga (heute Verbandsliga).

Durch vorbildliche Lehrarbeit, Schiedsrichterförderung und effiziente Schulungen des Kreislehrstabs machten die talentierten Schiedsrichter unseres Kreises einen weiten Sprung nach vorne. 2008 stiegen Markus Petermann (SV Kirschhausen) und Marco Unholzer (VfL Birkenau) in die Verbandsliga auf. Unholzer schaffte bereits ein halbes Jahr später den Sprung ins Hessische Oberhaus.

Saison 2009/2010: Die Anzahl der Schiedsrichter auf der Verbandsliste wurde mehr als verdoppelt. Markus Petermann, Andreas Weichert (FC 07 Bensheim) und Marco Unholzer leiten fortan Spiele in der Hessenliga. Unholzer wird zudem nach Fritz Eichhorn der nächste DFB-Schiedsrichter in der B-Junioren Bundesliga. Er wird neben dem bewährten Andreas Weichert als Assistent in der Regionalliga fungieren. Patrick Beck leitet weiterhin Spiele der Verbandsliga. Er kommt dort neben Simon Heß (FC Starkenburgia Heppenheim) zum Einsatz, der über das Fördermodell des HFV aufstieg.

In Würges eröffnet das Hessenligateam Marco Unholzer, Patrick Beck und Jan Turinksi (FC 07 Benheim) zusammen mit dem langjährigen Bundesligaschiedsrichter Lutz Wagner die Kampagne „Nein! Zu Diskriminierung und Gewalt“. Nina Schneider (SG Hüttenfeld) wird als Schiedsrichterassistentin für die 2. Frauen Bundesliga nominiert.

Andreas Weichert leitet zusammen mit Markus Petermann und Marco Unholzer das Endspiel um den Hessenpokal zwischen Kickers Offenbach und dem KSV Hessen Kassel

Saison 2010/2011: Der Aufschwung geht weiter. Simon Heß (FC Stbg. Heppenheim) wird Hessenligaschiedsrichter. Viele junge, engagierte Schiedsrichter legen den Neulingslehrgang ab. Dies sollte sich in den nächsten Jahren bewähren.

Neuwahlen beim Kreisschiedsrichtertag im März 2012:
Die Führungsriege um Karlheinz Dörsam, Thomas Hirschberg, Andreas Weichert und Marco Unholzer wird bestätigt. Als Beisitzer im Kreisschiedsrichterausschuss fungieren Jan Turinski, Simon Wecht, Simon Heß und Heiko Pfeifer.

2012 feierten wir das 90-jährige Bestehen der Kreisschiedsrichtervereinigung Bergstraße. Im Vereinsheim des 1. Bergsträßer Spielmanns- und Fanfarenzuges wurde der Geburtstag gebührend gefeiert. Verdiente Schiedsrichter wurden geehrt.

Wir schreiben die Saison 2014/2015. Der Kreis Bergstraße zählt mittlerweile zu den gefragtesten Kreisen, wenn es um hochklassige Schiedsrichter geht. Waren es ein paar Jahre zuvor nur Andreas Weichert, sowie die fünf Bezirksoberliga Schiedsrichter, die die Bergsträßer Farben höherklassig vertraten, so blicken wir nun auf stolze Zahlen.

Marco Unholzer wurde für die Regionalliga nominiert und ist neben Fritz Eichhorn nun der zweite Schiedsrichter, der eine solch hohe Spielklasse erreicht. Als Assistent wird er in der 3. Fußballbundesliga zum Einsatz kommen.

Darunter kommen mit Heß und Weichert zwei bewährte Hessenligaschiedsrichter. Simon Heß geht zudem in sein zweites DFB-Jahr in der B-Junioren Bundesliga.

Zu unseren Spitzenschiedsrichtern gesellen sich zudem fünf Verbandsligaschiedsrichter und sieben Schiedsrichter der Gruppenliga. Somit schickt unser Kreis in dieser Saison 15 Gespanne ins rennen und hat mit Unholzer, Heß, Simon Wecht (FSV Rimbach) und Cristian Ballweg (SKG Bickenbach) sogar vier DFB-Assistenten.

Als Beobachter in der Gruppenliga fungieren seit geraumer Zeit Manfed Wenzel (FSV Zotzenbach) und Rainer Beckerle (SV DJK Eintracht Bürstadt).

Im August 2015 übernahm Jan Turinski (Bensheim) kommissarisch das Amt des Lehrwartes. Der jahrelange und erfolgreiche Lehrwart Andreas Weichert (Bensheim) stand aus beruflichen Gründen nicht mehr zur Verfügung und wechselte zum Bayerischen Fußballverband.
Maximilian Rother (Bensheim) wird als Beisitzer in den Ausschuss berufen.

Beim Kreis-Schiedsrichtertag im Februar 2016 standen Neuwahlen an. KSO Karlheinz Dörsam, sein Stellvertreter Thomas Hirschberg und der Beauftragte für Öffentlichkeitsarbeit Marco Unholzer werden in Ihren Ämtern bestätigt.
Jan Turinski wurde offiziell als Lehrwart bestätigt. Die Beisitzer Simon Wecht, Maximilian Rother und Simon Heß sind weiterhin dabei. Neu im Gremium ist Gerhard Hoecker (Einhausen), der die Funktion von Heiko Pfeifer (Rimbach) übernimmt.

Im Mai 2016 leitet Marco Unholzer (Birkenau) das Endspiel um den Hessenpokal zwischen den Kickers Offenbach und SV Wehen Wiesbaden. Als Bergsträßer Assistent stand Simon Heß (Heppenheim) an der Seitenlinie.

Eine traditionsreiche SR-Trainingsgemeinschaft trifft seit Jahren immer noch regelmäßig zum gemütlichen Hallen-Kick und anschl. Bierchen.

Stand 10.04.2017