FSV Braunfels feiert 100 jähriges Vereinsjubiläum

27. Juni 2018 · Aus den Vereinen

BRAUNFELS ebi . Einen Geburtstag der ganz besonderen und seltenen Art feiert in diesem Jahr der FSV Braunfels. Stolze 100 Jahre werden die Fußballer am Fuße des herrlichen Schlosses. Entsprechend festlich und stolz war die Atmosphäre anlässlich der akademischen Feier im Haus des Gastes Anfang Juni.

Die zahlreichen ausgezeichneten Mitglieder des FSV mit dem vorsitzenden Hans Joachim Eich (2.v.l.) und dem Vertreter des Kreisfußballausschuss Freidel Petry (r)

Und so war die freudige Aufregung nicht nur beim langjährigen Vorsitzenden Hans-Joachim Eich sondern auch unter den zahlreichen Anwesenden spürbar. Den Auftakt der traditionellen Ehrenreden machte kein geringerer als der wiedergewählte Landrat Wolfgang Schuster. Er würdigte die langjährige und stets hochklassige Arbeit der Verantwortlichen und der vielen Ehrenamtler der Braunfelser. Dass der Start in diese 100 jährige Geschichte mit dem Ende des ersten Weltkrieges zusammenfiel sei kein Zufall. Besonders in solch schweren Zeiten, seien die Menschen stets bestrebt gewesen und es wohl auch heute noch, einen Ausgleich zu den Alltagssorgen zu finden. Und wo gelingt dies besser als im gemeinsamen Sport. Im Namen von Ministerpräsident Volker Bouffier durfte er dann abschließend die Ehrenplakette des Landes Hessen in Silber für die herausragende Vereinsarbeit überreichen. Dem Schirmherr des Jubiläums, dem langjährigen Bürgermeister der Stadt Braunfels, Peter Schneider, gebührte das zweite Wort. In seiner kurzweiligen Rede ging auch er auf die schwierigen Zeiten in den ersten Jahrzehnten des Vereins ein und ließ dabei besonders den gesellschaftspolitischen Aspekt von Vereinsarbeit und den kulturellen Auftrag eines solchen Vereins anklingen. Auch erinnerte er an die vielen früheren Spielorte und die Unwegsamkeiten, ehe man im heutigen Stadion Schlossblick eine wunderschöne, idyllische Heimstätte gefunden hatte. Im Weiteren vermochte er es zudem mit viel Ironie die rasenden und einschneidenden Entwicklungen im Fußball der heutigen Zeit zu skizzieren. Besonders die „Großkopferten“ der Verbände sparte Schneider dabei nicht aus. So sei das große Geld und der Ruhm der Profis Gift für die Amateurclubs und diese verlieren dadurch immens an Protegé und Unterstützung. In Zeiten des mangelnden Ehrenamtes allerdings sei eben diese Arbeit der Verbände unumgänglich und für die vielen Vereine in der Breite überlebensnotwendig. Nichtsdestotrotz wünschte er dem Verein und der Zukunft der gerade erst abgestiegenen ersten Mannschaft alles erdenklich Gute.

Hans-Joachim Eich dankte seinem Vorredner für die Glückwünsche und fügte an, dass wenige Sätze und kurze Geschichtsabrisse der langen Geschichte einfach nicht gerecht werden könnten. Besonders mit Stolz erfüllen ihn jedoch die derzeit 150 Jugendlichen, sind sie doch ein Indiz dafür, dass die große Aufgabe des Vereins, der Gesellschaft und der Gemeinschaft zu dienen, wie schon unter allen Vorständen seit Gründung damit extrem Rechnung getragen würde. Sportlich seien natürlich die vier Aufstiege in die höchste Landesklasse zu erwähnen, auch wenn diese Intermezzi jeweils nur eine Saison überdauerten. In Gedenken an all diese damit verbundenen Erfolge sei der diesjährige Abstieg und damit das Ende einer nunmehr 21 jährigen Zugehörigkeit zur Verbandsliga und höheren Klassen, ein Schlag ins Kontor. Doch auch dies gelte es zu verarbeiten und dann mit dem nötigen sportlichen Ehrgeiz und der Einstellung zu korrigieren. Insofern und unter dem Aspekt von Fair Play, Akzeptanz, Spielwitz, Kreativität und gegenseitige Rücksichtnahme stelle der Sport und insbesondere der Fußball eine spannende Vorschule für das wahre Leben dar. Der aktuelle Bürgermeister der Stadt, Wolfgang Keller, outete sich danach als völliger Fußballlaie, der jedoch nicht nur aus Amtsgründen dem FSV verbunden sei. So sei alles im Rahmen der finanziellen und organisatorischen Möglichkeiten Machbare an Unterstützung selbstverständlich. Stellvertretend hierfür nannte Keller den Kunstrasenplatz und das Altherrenprojekt, welches die Stadt gemeinsam mit dem FSV auf den Weg gebracht hatte.

 

Im folgenden Verlauf eröffnete Jochen Horz für den Landessportbund den Reigen der Verbände und deren Ehrungen. In seinen Eingangsworten betonte er dabei, dass 100 Jahre auf derart hohem Niveau auch eine gewisse Kontinuität bedürfen. Diese sei beim FSV besonders mit den Namen Friedrich und Eich verbunden, den Familien, die als Vorstand den Verein mehr denn andere geprägt haben. So ist „Jochi“ Eich nun seit über vier Jahrzehnten Mitglied des vorstandes und bereits dreißig Jahre Vorsitzender der „Kallemänner“. Nicht zuletzt deswegen konnte Horz den 62 Jährigen mit einer Ehrung nicht nur überraschen sondern beinahe sprachlos machen. Sein Dank ging neben den geehrten Mitgliedern aber auch an die vielen Ehrenamtler und die vielen Trainer, die Helfer und besonders die Schiedsrichter. Für den Kreisfußballausschuss richtete dann Kreiskassenwart Friedel Petry Gruß- und Dankesworte an den FSV. Der Worte sei genug gemacht und so beschränkte er sich neben den Ehrungen einzelner verdienter Mitglieder auf die Vergabe diverser Präsente. Auch er überraschte Eich neben den zehn beantragten Ehrungen mit einer „Sonderehrung“, die so nicht erwartet war und überreichte Eich die entsprechende Würdigung des Verbandes.

Im Namen des DFB durfte er eine Plakette und einen Geldspende von €500,- überreichen. Einen Gutschein zur Trainerausbildung im Wert von €250,- und einen Ball des Fußballkreises Wetzlar folgten. Nachdem die Gäste der Nachbarvereine ihre Grußworte, kleine Anekdoten und Geschenke überreicht hatten blieb es Eich vorbehalten den Schlussakt unter den kurzweiligen Abend zu setzen. Detlef Carus, Mitglied des FSV, langjähriger Vorsitzender des FC Neukölln in Berlin hatte seinen Freunden in Braunfels einen Brief geschrieben. Durch anderweitige offizielle Verpflichtungen konnte er der Einladung nicht persönlich Folge leisten. Doch in seinen Worten bestätigte er die Verbundenheit und das freundschaftliche Verhältnis nach Braunfels. In der Hoffnung auf bessere Zeiten und den baldigen Wiederaufstieg wünschte Carus Verein und Gästen einen schönen Abend.

Für die musikalische Untermalung in den Pausen und zum Ende der Veranstaltung sorgte der MGV Nassovia Frohsinn Philippstein mit einem hochklassig vorgetragenem Potpourri der verschiedensten Melodien.

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